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Stopp, nicht mit Beton übergießen!

Ein Missverständnis mit chinesischen Bauarbeitern, das es in sich hatte.

Hallo und schön, dass ihr da seid! Kaum zu glauben, dass ihr die vielen Geschichten rund um das Bauen mit Spezialist*innen aus der ganzen Welt in unseren Gärten der Welt noch gar nicht kennt. Mein Name ist Beate Reuber, ich bin die Parkbotschafterin der Grün Berlin GmbH und habe viele Jahre mit Handwerkern*Innen aus Asien, Europa und dem Orient zusammengearbeitet. Wollt ihr mit auf eine Erinnerungsreise rund um die Entstehung und Entwicklung der Gärten der Welt gehen?

Dann steigt einfach ein: Los ging es vor gut 25 Jahren mit dem Bau des Chinesischen Gartens.

Eines Morgens – im Spätsommer 1997 kam ich sehr früh auf die Baustelle des Chinesischen Gartens. Guter Dinge schaute ich mir die Baufortschritte des vorherigen Tages an und plötzlich blieb mir fast der Atem weg. In der Ferne rollten schon die ersten Betonlieferanten an und auf der Fläche, auf die der Fertigbeton als Fundamentgekippt werden sollte, lagen fein säuberlich drapiert, erstklassige und in Deutschland nicht ganz preiswerte Granit-Pflastersteine. Wild gestikulierend - da unsere Übersetzerin noch nicht vor Ort war – versuchte ich unseren chinesischen Fachhandwerkern*Innen zu vermitteln, dass die Steine schnellstmöglich von der Fläche entfernt werden müssten. Gar nicht so leicht, wenn man außer „ni hao“ und „haode chi“ – also „guten Morgen und „gutes Essen“ -  kein Chinesisch spricht.

Also versuchte ich es mit Gesten und Zeichnungen im Sand und nach einigen Missverständnissen konnten die Steine doch noch weggeräumt werden, so dass der Beton auf die nun blitzeblanke Fläche gekippt wurde. Als unsere chinesische Übersetzerin auf die Baustelle kam wurde das Rätsel unter großem Gelächter gelöst:

In Deutschland waren die Pflastersteine sehr teuer und Beton sehr preiswert. In China allerdings war Granitgestein sehr preiswert und der Beton sehr teuer. Die chinesischen Handwerker*Innen wollten also einfach sparsam ihre erstklassige Arbeit umsetzen.

Durch die zunehmende Globalisierung haben sich übrigens die Kosten für Beton und Granit in den vergangenen Jahren weltweit angeglichen. Zur Sicherheit habe ich aber die chinesischen Vokabeln für „teuer - Ángguì de“ und „Piányí für preiswert“ mittlerweile im Kopf.

Tschüss bis zur nächsten Geschichte!

Deine Beate Reuber

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