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„Warum werden unsere Fliesen zertrümmert?“

Über meinen panischen Anruf beim Architekten des orientalisch-islamischen Gartens!

Heute geht unsere Reise rund um die Entstehung der Gärten der Welt in den Orientalisch-Islamischen Garten „der vier Ströme“. Wer von euch diesen Garten schon einmal live gesehen hat weiß, dass es ganz viele bunte Zillij - also Fliesen mit geometrischen, immer wiederkehrenden Mustern an den Wänden der 4 Meter hohen Mauern und in den Arkaden gibt.
 

Wollt ihr mich in die Vergangenheit begleiten? Dann stellt euch vor ihr würdet morgens mit „Bonjour madame, voulez-vous un thé à la menthe“ und dem Duft von Minzetee begrüßt.

Mit dieser wunderbaren Frage wurde ich nämlich drei Monate jeden Tag auf der Baustelle zum Orientalisch-Islamischen Garten willkommen geheißen. Aber es war nicht einfach ein Teebeutel im Wasser, sondern echter marokkanischer, eigens für mich auf der Baustelle zubereiteter Pfefferminztee und der Duft hing immer schon in der Luft.
 

Eines Tages – im Frühjahr 2005 ging ich mit dicken Baustellenschuhen, dem Teeglas in der Hand und der Kamera um den Hals über die Baustelle und schaute, was am Tag vorher so alles „erbaut worden war“. Plötzlich sah ich voller Entsetzen, dass die bereits an den Wänden angebrachten Fliesenplatten von den marokkanischen Handwerkern mit Hammer und Meißel bearbeitet wurden. Dazu müsst ihr wissen, dass die über 2 Millionen Zillij – also Fliesen – nicht vor Ort einzeln verlegt wurden, sondern bereits in Marokko in Handarbeit als Fliesenplatten mit einer Größe von ca. 1,50 x 1,10 Metern hergestellt worden waren. Die Breite der Platten war nicht immer identisch, was mich tatsächlich schon verwundert hatte. Dieses trat besonders deutlich in Erscheinung nachdem die Platten an den Wänden "angebracht" waren, aber ich dachte, alles hätte seine Richtigkeit und der Bauabschnitt wäre fertig.
 

Weit gefehlt. Dort, wo die Platten aneinanderstießen, wurden einzelne der geometrischen kleinen Kacheln wieder herausgeschlagen und entsorgt.

Völlig aufgelöst rief ich den Architekten Kamel Louafi an und fragte, warum die wunderschönen Platten erneut bearbeitet und die kleinen Fliesenteile weggeworfen würden. Mit einem leisen Lächeln erklärte er mir, dass die Fliesenteile herausgenommen werden müssten um im Anschluss wie bei einem Puzzle verzahnt, im Originalmuster wiedereingesetzt zu werden. Und so geschah es dann auch.

Durch diese Verzahnung konnte man nach Fertigstellung keine Übergänge oder senkrechten Fugen zwischen den Platten mehr erkennen. Ich habe wirklich mehrfach versucht diese zu finden, es ist mir nicht gelungen.
 

Und das, ist auch heute noch so. Ihr könnt ja bei eurem nächsten Besuch einmal schauen, ob ihr noch einen dieser „Übergänge“ findet.

Viele Grüße und bis zum nächsten Mal!

Eure Beate Reuber

Schreibt mir bei Fragen oder Anmerkungen gerne eine E-Mail

weltenbummel(at)gaertenderwelt.de